17. August 2026

Mehr Verantwortung braucht mehr als neue Vergütung – sie braucht neue Rollen

Mehr Verantwortung braucht mehr als neue Vergütung – sie braucht neue Rollen

Mehr Verantwortung braucht mehr als neue Vergütung – sie braucht neue Rollen

Der aktuelle Beitrag im Ärztlichen Nachrichtendienst trifft einen entscheidenden Punkt: Wenn Hausarztpraxen künftig stärker steuern, koordinieren, Prävention organisieren und chronisch Erkrankte kontinuierlich begleiten sollen, dann kann ein Vergütungssystem, das vor allem einzelne Arzt-Patienten-Kontakte honoriert, diesen Auftrag kaum angemessen abbilden.

Aus Sicht des Deutschen Hochschulverbands Physician Assistant (DHPA) greift die Diskussion trotzdem noch zu kurz.

Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur:

„Wie bezahlen wir zusätzliche Verantwortung?“

Sondern auch:

„Wer soll diese Verantwortung im Versorgungsalltag eigentlich leisten?“

Mehr Koordination, mehr Prävention, mehr Kontinuität und mehr Steuerung lassen sich nicht dadurch erzeugen, dass man dieselben Ärztinnen und Ärzte mit immer neuen Aufgaben versieht und anschließend über eine neue Pauschale diskutiert. Der Artikel beschreibt selbst eine Versorgung, die stärker kontinuierlich, teamorientiert und am tatsächlichen Bedarf der Patientinnen und Patienten ausgerichtet sein soll.

Genau an dieser Stelle darf die Debatte über neue Gesundheitsberufe und neue Formen der Zusammenarbeit nicht länger ausgespart werden.

Physician Assistants sind akademisch qualifizierte Gesundheitsberufe, die ärztliche Teams bei delegierbaren medizinischen Tätigkeiten unterstützen und damit genau dort ansetzen können, wo moderne Versorgung zunehmend komplex wird: bei Kontinuität, Koordination, standardisierten klinischen Prozessen und der Begleitung von Patientinnen und Patienten.

Oder etwas zugespitzter:

„Wer Versorgung im Team fordert, muss irgendwann anfangen, Teams auch wirklich zuzulassen.“

Es wäre wenig konsequent, die Hausarztpraxis zur „Lotsin“ eines immer komplexeren Gesundheitssystems zu erklären, gleichzeitig aber an Strukturen festzuhalten, in denen nahezu jede medizinische Leistung gedanklich weiterhin an die einzelne Ärztin oder den einzelnen Arzt gekoppelt bleibt. Der Artikel beschreibt genau diese Problematik des bisherigen Vergütungssystems und verweist auf Modelle, die Pauschalen, gezielte Einzelleistungen und Qualitätsanreize miteinander verbinden.

Aus Sicht des DHPA gehört deshalb noch ein weiterer Baustein auf den Tisch:

 

Eine moderne Vergütungslogik muss nicht nur Verantwortung vergüten – sie muss interprofessionelle Versorgung ermöglichen.

 

Wenn wir ernsthaft über Primärversorgung der Zukunft sprechen, sollten wir nicht versuchen, die Strukturen von gestern lediglich etwas besser zu bezahlen. Wir sollten anfangen, Versorgung neu zu organisieren. Und dazu gehören Physician Assistants selbstverständlich mit an den Tisch.